3D-Druck: Dreidimensionales Modedesign

Mit 3D-Druck wird Modedesign dreidimensional – es lassen sich noch nie dagewesene Effekte kreieren. Das klingt vielversprechend für eine Modeindustrie, die sich die Aufmerksamkeit der Konsumierenden durch ständig Neues holt.

Iris Van Herpen war 2010 die erste Modedesignerin, die eine 3D-gedruckte Kollektion über den Laufsteg schickte. Viele ihrer Objekte sind bereits in Museumssammlungen eingegangen. Einen großen Anhängerkreis hat die Holländerin in USA, wo ihre Werke 2016 in vier großen Ausstellungen zum Thema Fashion Tech zu sehen waren. Die Designerin arbeitet in interdisziplinären Kollaborationen.

Iris van Herpen, AW14/15
Iris van Herpen x Julia Körner, Winter 2014/15 (c) Michael Zoeter

3D-Druck im High-Fashion Segment

Die in USA lebende Architektin Julia Körner abeitete 2014 mit Iris van Herpen. Ein weiterer prominenter Kunde ist die Pariser Werkstätte Maison Lesage, die sich auf Dekorationen spezialisiert hat. Körner unterrichtet an der University of California (UCLA) in Los Angeles und hat sich in ihrem Unternehmen JK Design auf digitales Design für den 3D-Druck spezialisiert. Neben der Kollaboration mit Luxusunternehmen arbeitet sie auch an eigenen ready-to-wear Kollektionen. Für Körner ist die Tragbarkeit von Kleidung aus dem 3D-Drucker bereits gegeben, wie sie im nachfolgenden Interview erklärt.

Dieser Artikel war Teil einer Reportage in Textil Zeitung am 26.05.2017

3D-Druck im High-Street Segment

Im High Street-Segment arbeitet Dr. Shaun Borstrock, der stellvertretende Dekan der Abteilung Business and Innovation an der Universität Hertfordshire (UK) an der Umsetzung der Technologie. Er suchte die Zusammenarbeit mit dem 3D-Designer Mark Bloomfield, um 3D-Print einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Gemeinsam gelang es ihnen, dem 3D-Druck die Steifheit und mangelnde Flexibilität zu nehmen. Aus dem Projekt sind acht Modelle hervorgegangen. Laut Borstrock kommt das Material in Flexibilität und Bewegung an traditionelle Stoffe heran. Erreicht wurde dies mit einer Flächenkonstruktion, die an Gewebe-, Naht- und Stricksysteme angelehnt ist. Die Modelle der Kollektion können nach Maß gefertigt und in verschiedenen Formen variiert werden. Finish und Färbung erfolgen nach dem Druck. Sehen Sie hier ein Video zum Projekt: http://www.herts.ac.uk/digitalhacklab/projects/modeclix

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University Hertfordshire, Electrobloom: modeclix dress (c) Electrobloom

Im Konflikt mit dem Datenschutz

Mit dem 3D-Print tauchen allerdings auch neue ethische und rechtliche Probleme auf. Konkret rechnet man mit Produktpiraterie und einem wachsenden Schwarzmarkt – wie dies zuvor schon in der Musik-Industrie mit der Streaming-Technologie zu beobachten war. Eine Überarbeitung des Urheberrechtsgesetzes ist erforderlich.

Interview Julia Körner

3D-Druck als Konvergenz von Architektur, Produkt- und Modedesign

Die gebürtige Salzburgerin Julia Körner hat Architektur in Wien und London studiert und unterrichtet seit 2012 an der UCLA in Los Angeles. Im Interview spricht sie über den Status Quo im 3D-Druck von Kleidung:

3D-Couture war bis jetzt den Laufstegen und den Kunstsammlungen vorbehalten. Wird die Technologie in absehbarer Zeit auch straßentauglich werden?

Julia Körner: Die Designmöglichkeiten hängen mit den verfügbaren Materialien und Drucktechnologien zusammen. Weshalb ich eng mit Materialanbietern zusammenarbeite und oft auch innerhalb einer Kollektion verschiedene Materialien einsetze. Wesentlich war die Innovation druckbarer flexibler Materialien. Diese können durch eine spezielle Geometrie wie dreidimensionale Stoffe verarbeitet werden.

Die Geometrie in der Software ist starr. Deshalb ist es oft schwer abzuschätzen, wie beweglich der Stoff in einem Kleidungsstück tatsächlich wirkt. Trotzdem ist es möglich, tragbare Designs zu entwickeln. Ein Beispiel dafür ist das Korsett, das ich 2015 für Marina Hörmannseders ready-to-wear Kollektion designt habe. Die Oberfläche war an der traditionellen Smoktechnik inspiriert.

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Marina Hoermanseder x Julia Körner (2015): Smock Corset

Wie lang dauert die Herstellung eines 3D-Prints – vom Entwurf bis zum Ausdruck?

In meinen frühen Projekten hat es manchmal eine ganze Woche gedauert, bis der Druck aus der Maschine genommen werden konnte. Mit den flexiblen Materialien hat sich die Druckzeit auf bis zu zwei Tage reduziert. Die gesamte Herstellungszeit hängt vom Material und der Komplexität der Geometrie ab. Das kann von einer Woche bis zu zwei Monaten dauern. Wenn ein Modell erst designt und ein digitales File erstellt ist, können daraus ganz einfach Varianten abgeleitet werden. Man muss nicht wieder hunderte Stunden in die Neuentwicklung investieren. Außerdem arbeite ich mit digitalen Designprozessen, die das Schreiben von Algorithmen beinhalten – und mit visueller Programmier-Software, mit der man Geometrie automatisieren und in der Folge Muster auf verschiedene Objekte automatisch adaptieren kann. Trotzdem funktioniert der Prozess nicht ohne mich als Designer. Oft überarbeite ich die Designs noch manuell, das heißt ich modelliere digital am Computer in einer weiteren Software.

Wie gehen Sie an Rohstoffwahl und Materialkonstruktion heran?

Momentan präferiere ich flexible Materialien und netzartige Muster. Damit spare ich Druckzeit, Material und Kosten. Großflächige Drucke sind oft schwerer und weniger flexibel. Aber als Architektin verstehe ich sehr viel von tragfähigen Strukturen und wie sich Materialien bei Druck und Zug verhalten. Das hilft im Designprozess.

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3 D-Druck von Julia Koerner (2015): Hymenium Jacket © Ger Ger for Schön! Magazine

Sie haben 3D-Druck-Kleider designt, die auf die Emotionen des Nutzers reagieren. Wie können wir uns das vorstellen?

In dem Projekt habe ich mit Materialien gearbeitet, die die Farbe mit der Körpertemperatur des Trägers ändern. Basis war die Beobachtung, dass Stimmungen mit der Erwärmung bestimmter Körperzonen verbunden sind. Indem das Kleid mit Variationen eines Schwarz-/Weiß-Musters auf die lokale Körpererwärmung reagiert, kommuniziert es Stimmungen wie Freude, Liebe, Stolz etc.

Wie ist 3D-Druck aus der Perspektive der Nachhaltigkeit zu bewerten?

Der 3D Druck ist ein additives Fabrikationsverfahren, in dem es keinen Abfall gibt. Es wird nur soviel Material verwendet, wie tatsächlich gebraucht wird. Das Druckmaterial ist meist aus Plastik, kann allerdings auch aus wiederverwertbaren Rohstoffen hergestellt werden. In dem Fall kann das alte Kleidungsstück eingeschmolzen und zu neuem Druckmaterial aufbereitet werden. Darüberhinaus entfällt auch der Kleiderversand. Man kann das digitale File global versenden und das Kleid lokal drucken.

Danke für das Gespräch.

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