Wo Mode Business ist

Der Designer Arthur Arbesser arbeitet in Mailand, wo Mode Business ist:

Der gebürtige Wiener  hat am renommierten Central St. Martins College for Art and Design in London studiert. Nach sieben Jahren im Design-Department von Giorgio Armani,  gab er 2013 sein Debut in Mailand. Im Interview erklärt Arbesser, warum er sich für eine Modeausbildung außer Landes entschieden hat – und über die Arbeitsbedingungen in Mailand, wo Mode Business ist.

Was hat Ihren Werdegang beeinflusst?

Ich war schon in den späten 1990er Jahren sehr interessiert am Central St. Martins College in London und allen, die dort studiert haben, wie zum Beispiel Alexander McQueen und John Galliano. So war es kein Zufall, dass es mich nach der Matura an das renommierte Institut zog. Die Studienzeit dort habe ich sehr genossen. Ich fühlte mich ungezwungen und frei und das College war der perfekte Ort, um meine eigene Sprache und Ästhetik zu finden.

Nach meiner Ausbildung wollte ich mehr über das Business lernen und Mailand schien mir der ideale Ort. Ich hatte Glück und bekam sofort einen Job im Designteam von Giorgio Armani. So begann meine Zeit in Italien.

Arthur Arbesser Kopie
Arthur Arbesser (c) Arthur Arbesser

Was ist schwierig an der Situation in Österreich?

In traditionellen Modemetropolen wie London, Mailand, Paris und New York gibt es Infrastruktur und Netzwerke für Modeschaffende. Stoffhersteller, Produktionsbetriebe, Modepresse, -shows, -fotografen und andere Kreative sind vor Ort. Das ist vor allem am Anfang der Karriere wichtig.

In Österreich ist dies nicht der Fall. Aber auch hier ist eine internationale Modekarriere möglich – das zeigt der großartige Petar Petrov, der in Wien arbeitet und in der Independent Modeszene sehr erfolgreich ist. Die Mode-Industrie ist individuell und birgt Chancen für viele.

Welche Vorteile haben die Modeplätze London und Mailand?

In London schätzt man Mode der Kreativität und des Charakters wegen. In Mailand ist Mode Business und ernstzunehmender Wirtschaftsfaktor. Die traditionelle Mode-Industrie wird von der Camera Nazionale della Moda (Anm. H.S.: Modekammer) unterstützt und die globale Modepresse berichtet viermal im Jahr über die Mailänder Shows.

Für die Produktion von hochwertiger Damenmode gibt es nur zwei Standorte, die über die entsprechende handwerkliche Kompetenz verfügen – und das sind Italien und Frankreich. Meine Kollektion wird in Italien produziert und fast alle Produktionspartner befinden sich im Umland von Mailand. Aus Österreich beziehe ich lediglich Stoffe. In der aktuellen Kollektion war es handgewebter Loden aus Tirol und der Steiermark und in der kommenden Kollektion wird es voraussichtlich Leinen aus dem Waldviertel sein.

Werden Sie im Ausland als Österreicher wahrgenommen?

Ja, absolut. Ich bin stolz auf meine Herkunft und Wien bleibt ein Ort, den ich sehr schätze und der mich inspiriert. In der Präsentation zur Milan Fashion Week  im März 2015 wurden diese Referenzen in einem Gemälde von Hermann Nitsch, Stühlen von Thonet und Musik von Franz Schubert offenbar.

Was ist Ihr Karriereziel?

Mit dem eigenen Label und dem eigenen Namen erfolgreich zu sein. Ich habe viel vor und arbeite gerade an einer neuen Firmenstruktur. Die Herausforderung besteht darin, den eigenen Werten treu zu bleiben und gleichzeitig den Nerv der Zeit zu treffen.

Danke für das Gespräch.

Über Arthur Arbesser

Der Designer (35) wurde nur zwei Jahre nach seinem Debut im Februar 2015 für den mit 300.000 € dotierten LVMH-Preis nominiert und schaffte es gemeinsam mit acht weiteren Designern ins Finale. In der Jury saßen die einflussreichsten Designer der Gegenwart. Seit Herbst 2017 leitet Arbesser die Kreativ-Abteilung des italienischen Labels Fay.

Foto oben: Modell aus der Kollektion Sommer 2019 (c) Henrik Blomqvist

Das Interview entstand im Zusammenhang mit einer Reportage für die Textil Zeitung im Mai 2015.

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