Stil-Bibel Tracht: Vom Ursprung bis zum zeitgenössischen Design.

Foto oben: (c) Martin Nink für Lola Paltinger

Stil-Bibel Tracht
Die neuentdeckte alpenländische Tracht
Ursprung, zeitgenössisches Design, Stildirektiven
Hildegard Suntinger
96 Seiten, 17 x 24 cm 
durchgehend farbige. Abb., broschiert 
ISBN: 978-3-8404-3028-2 
Preis: EUR 14,95 €
erschienen am 11. August 2015
Cadmos Verlag

Annäherung:

Die Neuentdeckung von Dirndl und Lederhose durch die Modewelt zu Beginn des 21. Jahrhunderts, hat den traditionellen Kleidungsstücken große Popularität gebracht. Deutsche High-Fashion Labels bieten ihren verwöhnten Kundinnen das stilgerechte Dirndl für das Oktoberfest und sogar ein amerikanischer Sportswear-Konzern führt  Dirndl und Lederhose für sein urbanes Publikum. Unabhängig davon entdecken junge Menschen traditionelle Kleidung in Vintage Stores für sich und tragen sie auf Festen und/oder im Alltag.

Diese Neuentdeckung der alpenländischen Tracht durch ein modeaffines Publikum wirft ein neues Licht auf den in Stein gemeißelten Mythos. Die neuen Anhänger der Tracht schätzen die Jahrhunderte alte Bekleidungstradition sowohl traditionell als auch zeitgenössisch interpretiert. High Fashion bzw. Streetwear und Tracht schließen einander nicht mehr aus. Während die Lederhose in ihrer althergebrachten Form getragen wird, hat das Dirndl nicht nur die High-Fashion, sondern auch eine neue Generation von Designerinnen angeregt. Diese interpretieren das Miederkleid  traditionsnah aber doch zeitgnössisch. Der Mythos wird neu ausverhandelt.

Dass kaum ein anderes Kleidungsstück mehr emotionalisiert, zeigt sich an den Kommentaren, die regelmäßig im Umfeld von Trachtenereignissen öffentlich werden. Stil- und Geschmacksfragen werden von mehr oder weniger berufener Seite aufgeworfen. Wie schon Johann Wolfgang von Goethe bemerkte, ist Geschmack nicht am Mittelgut zu bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten. In diesem Sinne ist die erste Voraussetzung für ein gut Dirndl der hohe Anspruch in Stoff, Passform und Design.

Neben Fragen zu Echtheit oder Angemessenheit, trägt die Tracht aber auch die Bürde der politischen Instrumentalisierung. Dass ihr die Vereinnahmung durch Herrscherhäuser, Nationalsozialisten und politische Parteien nichts anhaben konnte, zeigt unter anderem die aktuelle Neuentdeckung durch ein disperses Publikum.

Das Buch führt in einer gesamtheitlichen Betrachtungsweise vom Ursprung über das zeitgenössische Design bis hin zu Stildirektiven. Leitmotiv ist die implizite Frage nach dem Wesen, der im Trendwandel immer wiederkehrenden ursprünglichen Kleidungsstücke. Als solches bietet es eine unvoreingenommene Perspektive auf eine Tradition, die den Weg in die Moderne gefunden hat.

 

Einführung in die Kapitel

Das Buch soll Einblick in eine Bekleidungsform geben, die nicht von Designern gemacht, sondern durch die Jahrhunderte von gesellschaftspolitischen und kulturellen Entwicklungen geformt wurde.

In der Einführung werden historische, kulturelle und soziale Einflüsse auf die Entwicklung der Tracht erläutert. In ihrem Ursprung war die Tracht ein Stück fürs Leben und zum Vererben. Sollte sie den Träger wirklich durchs Leben begleiten, so musste sie von dauerhaftem Stoff, Schnitt und Stil sein. Die Forderung nach Langlebigkeit bemaß sich nicht zuletzt am Stoffwert und dem hohen Aufwand der handwerklichen Anfertigung. Noch vor Material- und Produktionswert waren es allerdings politische Gründe, die die Tracht zum Stück fürs Leben machten. Bis zur französischen Revolution gab es eine strenge Kleiderordnung, die die verschiedenen sozialen Stände und Zünfte kennzeichnete. Als solches war der Wandel der Tracht durch die Jahrhunderte eine Folge äußerer Einflüsse. Darin unterscheidet sich diese von der Mode, die saisonal nach individuellen Kriterien neu geschaffen wird.

In einem weiteren Unterschied zur Mode, trägt die Tracht das Merkmal der Gruppenbekleidung. Ursprünglich, weil einer strengen Kleiderordnung folgend und aktuell, weil zum Symbol einer Gesellschaftsgruppe geworden, die eine Faszination für Tradition zeigt. In der Frage nach der anhaltenden Faszination der Tracht sei vorausgeschickt, dass ihre Zeitlosigkeit einen Wert für sich darstellt.  Einen weiteren Wert stellt deren Zeichenhaftigkeit dar, die die Emotionen anspricht. Festgemacht an Lebensphasen und Anlässen vermittelt sie konkrete Stimmungen wie Trauer und Freude.

Die Kapitel mit den archetypischen Konzepten der historischen Tracht sollen die Basis für ein gundlegendes Verständnis bilden. Wobei die Beschreibung der Tracht in einer allgemeinen, d.h. nicht regionsspezifischen Art erfolgt. Die Erläuterung der einzelnen Bekleidungsteile von Frauen- und Männertracht machen ihre elementare Funktion deutlich, Schmuck und Auszier den Amulettcharakter, bzw. die Verbindung von Bekleidung und Lebensphase und/oder Berufsstand. Anknüpfend an die aktuellen Vintage-Tendenzen werden ikonische Filme der 1930er- bis 1960er-Jahre genannt, die den Mythos der alpenländischen Tracht global verbreitet haben.

Die Gestaltungsprinzipien der zeitgenössischen Trachtenmode und die individuellen Stilrichtungen, die damit verbunden sind, bilden die Überleitung zum Styleguide. Ein Seitenblick auf die High-Fashion zeigt, dass Lederhose und Dirndl zuletzt selbst im Luxussegment angekommen sind. Ausgehend davon, dass Mieder und weit ausschwingende Röcke auch wieder Gegenstand von Prêt-à-Porter und Haute Couture sind und Vintage die Catwalks beherrscht, möchte ich zur individuellen Interpretation des Dirndls ermutigen. Inspiration liefern die Stildirektiven eines einzigartigen Couturiers aus den 1950er-Jahren: Christian Dior! Sein Sinn für Farb- und Figurtypen soll die Grundlage zur Definition des persönlichen Stils sein. Eine allgemeine Orientierung für die anlassgerechte Garderobe geben Experten anhand konkreter Stildirektiven.

Die Zeichen der Zeit sprechen für einen ökosozial korrekten Lebensstil. Die Abhandlung eines zeitlosen Bekleidungsstils kann aus der Perspektive der Nachhaltigkeit gelesen werden. Nachhaltig sowohl aus der Perspektive der lokalen handwerklichen Tradition als auch aus jener der langen Nutzbarkeit. Die Erklärung der elementaren Funktionen von Bekleidung könnte den Leser zum rationalen Aufbau seiner Garderobe inspirieren … Das Kapitel über typische Materialien sowie deren Eigenschaften und Pflege soll die Freude an der Kleidung über die Nutzungsdauer gewährleisten.

Text Cover Rückseite

Eine Annäherung an die alpenländische Tracht, die sich neben der schnelllebigen Mode gehalten hat und gegenwärtig in ihrer Ursprünglichkeit neu entdeckt wird. Basis ist ein kurzer Abriss der sozialen, politischen und kulturellen Hintergründe der Tracht sowie deren Modewerdung. Die Beschreibung der einzelnen Bekleidungsteile machen ihre elementare Funktion deutlich, Schmuck und Auszier die emotionale Komponente der menschlichen Existenz. Modisch orientierte Designkonzepte und Stildirektiven vermitteln die zeitgenössische Auffassung von Trachtenmode sowie eine Orientierung für die anlassgerechte Garderobe. Ein Buch für Trachtenmodeinteressierte und Kreativschaffende im Bekleidungssektor.

Hildegard Suntinger ist als freie Modefachjournalistin in Wien tätig, wo sie die Modeschule Hetzendorf sowie Studien in Linguistik und Public Communication absolvierte. Ihr Interesse gilt neuen Strömungen kreativer, wirtschaftlicher und technologischer Art. Ihre fachlichen Schwerpunkte liegen in Jugend-, Sport- und Trachtenmode.

Blog: http://stil-bibel-tracht.weebly.com

Amazon: Top Customer Reviews
5.0 out of 5 stars
Endlich ein Buch, das der Tracht gerecht wird
By Julia Kehr on 17 Sep 2015
Format: Taschenbuch
Ein rundum tolles Buch!! Ich suche schon lange nach einem Buch, das sowohl die Entstehung der Trachtenmode beleuchtet ohne langweilig und zu fachlich zu sein, als auch verschiedene Stile und Kombinationsmöglichkeiten. Glückwunsch an die Autorin, dieses Buch ist wirklich gelungen!

Comment 5stil_bibel_tracht_titel people found this helpful.

https://www.amazon.de/Stil-Bibel-Tracht-Ursprung-zeitgen%C3%B6ssisches-Stildirektiven/dp/3840430283

 

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