Designprozess, Modedesign, automatisierter Designprozess

Den Designprozess automatisieren, um schneller auf Trends reagieren zu können

Das Berliner Start-up Yoona.ai hat KI-Module für die digitale Produktentwicklung entwickelt, um den Designprozess zu verkürzen – und die Entwicklungszeit an den raschen Trendwandel anzupassen. Denn derzeit können erst zehn Prozent aller Modeunternehmen digitale Produkte beziehungsweise 3D-Produkte kreieren, ohne zuvor einen 2D-Schnitt zu erstellen. Mit der Software von Yoona.ai soll diese Technologie allen zugänglich werden. 

Dieser Artikel erschien am 20. Juli 2022 auf Innovation Origins.

Anna Franziska Michel war selbst Modedesignerin und erlebte, wie zeitaufwändig und ineffizient der Designprozess sein kann. Bedenkt man den raschen Trendwandel in der Mode, dann wird klar, dass langwierige Entwicklungsprozesse unweigerlich zu Überhängen führen müssen. Daten können das ändern, dachte Anna Franziska – und begann mit einer Forschungsgruppe an der HTW Berlin im Fachbereich Wirtschaftsinformatik an KI-Modulen für die digitale Produktentwicklung zu forschen. Mittlerweile läuft Yoona.ai, ihre Software-as-a-Service Lösung, teilautomatisiert und wurde schon in großen deutschen Modeunternehmen erprobt. Im folgenden Interview spricht Anna Franziska über ihre Innovation und die Herausforderungen des Gründens:

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Yoona.ai Gründerin Anna Franziska Michel (c) PR – Yoona.ai

Welches Problem löst ihr und warum ist das wichtig? 


Bevor Modedesigner überhaupt wissen, was sie designen sollen, müssen sie Informationen sammeln, wie zum Beispiel den aktuellen Bestseller einer Kategorie. Eine Künstliche Intelligenz schafft diese aufwändige Recherche in wenigen Sekunden. Um den fertigen Entwurf dann zu digitalisieren, muss man bei herkömmlichen Programmen erst einen 2D-Schnitt anfertigen, um ein dreidimensionales Modell zu erstellen.

Derzeit können erst zehn Prozent aller Modeunternehmen digitale Produkte beziehungsweise 3D-Produkte kreieren, ohne zuvor einen 2D-Schnitt zu erstellen. Wir wollen diese Technologie allen zugänglich machen. 

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Unsere Software soll es ermöglichen, mit wenigen Klicks ein 3D-Objekt zu erstellen und dieses dann für mehrere Medienkanäle zu nutzen. Denn, je schneller Modeunternehmen auf aktuelle Trends und Bedürfnisse von Endverbrauchern reagieren können, desto wahrscheinlicher ist es, dass die produzierte Ware am Markt Absatz findet – und Überhänge vermieden werden.   

Wie genau soll der Designprozess automatisiert werden?


Nutzer unserer Software können ein Profil auf unserer Plattform erstellen und grundlegende Dinge für den Produktentwicklungsprozess uploaden – wie etwa Farbdaten, Moodboards und technische Zeichnungen. Im teilautomatisierten Designprozess arbeitet Künstliche Intelligenz in Form von zwei neuronalen Netzwerken im Hintergrund. Eines der Netze lernt die Daten, also Produktbilder, Webanalysen, Farbanalysen et cetera und das andere designt digital. Beide neuronalen Netze müssen auf die bestimmten Anforderungen hintrainiert werden. Sobald das Training abgeschlossen ist, bekommt man in wenigen Sekunden bis zu 20.000 Design-Angebote.

Was war das größte Hindernis, das ihr überwinden musstet? 


Vor der Gründung musste ich erst mit einem Forschungsteam an der HTW Berlin neuronale Netze finden, die in dem Bereich anwendbar sind. 

Eine Herausforderung ist es auch, das richtige Team zu finden – zu entscheiden, wer dazu passt und das Produkt versteht … Für einen Programmierer oder einen normalen Techniker ist ein T-Shirt ein Quadrat mit einem Loch drin. Aber für einen Designer ist das anders. Ein Techniker muss Verständnis für die Arbeit eines Designers haben. Darin ist zum Beispiel mein Co-Gründer Daniel Matzke sehr gut. 

Was waren die bisher schönsten Momente? 


Es gab tolle Momente, als wir die Verkürzung der Prozesskette erreichten – und als wir merkten, dass das Produkt wirklich den erwarteten Impact bringt. Es war auch großartig, als die Unternehmen anfingen, unser Produkt zu nutzen und den Mehrwert erkannten. Später, als wir Preise gewannen, waren wir stolz und glücklich, weil es schön ist, für die viele Arbeit, die man hatte und hat, auch etwas zurückzubekommen.

Aber vor allem war es nicht einfach, mich in ein Thema einzuarbeiten, in dem es um hochkomplizierte Technologie geht – da ich ja eigentlich Modedesignerin war. Schon dieser Schritt von der Designerin zum Software-Unternehmen, war ein großer Erfolg für mich. 

Wie schwer war es, eine Finanzierung zu bekommen?


Als Frau? (lacht) Ich glaube, dass es immer eine Herausforderung ist, eine Finanzierung zu bekommen. Eine zusätzliche Hürde war aber sicher, dass unsere Innovation im Modebereich verankert ist und ich als Gründerin eine Frau bin. Aber wir haben es geschafft und eine ganz normale Pre-Seed Runde geschlossen. Mit Techstars fanden wir einen amerikanischen Accelerator, der in unser Start-up investiert hat – und mit Alexander Gedat den ehemaligen CEO von deutschen Modeunternehmen wie Gerry Weber und Marc O‘ Polo

Wie sind die Bedingungen für euer Start-up am Standort Berlin?


Ich habe vorher in Madrid gelebt und überlegt, dort zu bleiben. Heute habe ich zwei Kinder und ein Start-up – und das zu vereinbaren, wäre mir anderswo wahrscheinlich nicht gelungen. Yoona.ai ist für mich nicht nur mein Start-up und die acht Leute, die da arbeiten, sondern ein Netzwerk, das bestimmt aus 100 Personen besteht – und die meisten davon leben in Berlin. Wir haben Unterstützer wie die Hochschule für Technik (HTW) und die Stadt Berlin. Zu unseren Partner zählt die Premium Exhibitions, eine der großen deutschen Modemessen, wo wir Ko-Kurator im Bereich Fashion Tech sind. Das ist unser Netzwerk und die Beziehungen aus dem Standort Berlin.

Wo möchtet ihr mit eurem Unternehmen in fünf Jahren sein?


Mittlerweile ist unser Designprozess teilautomatisiert – aber wir werden konstant weiterforschen, um ihn weiterzuentwickeln. Außerdem haben wir gerade die Konferenzreihe yoonaverse gegründet und wollen gemeinsam mit Partnern wie Telekom, H&M und italienischen Brands The Metaverse Berlin aufbauen.

Unser Ziel ist es, zu einem globalen Unternehmen zu werden – und zu DEM Anbieter im Bereich digitaler Generierung von Kleidung. Ich fliege kommende Woche nach New York zur PI Apparel Konferenz und dann möchten wir beginnen, den amerikanischen Markt aufzurollen. 

Wir wollen der Tesla der Modeindustrie werden. 

Tesla im Sinn von Nachhaltigkeit?


Ja, es ist ganz wichtig, dass die Menschen begreifen, dass sich Technologie auf die Nachhaltigkeit von Produkten auswirken kann. Mit technischer Unterstützung kann man viel besser berechnen, was man designen muss – und ist dadurch schneller und näher am Trend. Durch die 3D-Darstellung der Modelle kann man die Erstellung von physischem Prototyping reduzieren. Die digitalen Modelle machen physische Muster für Prototyping, Fotoshootings und Modeschau obsolet – und das macht den Designprozess nachhaltiger.  

Mit meinem Start-up wollte ich nachvollziehbar machen, wie man mit neuen Technologien arbeiten kann. Als Designerin wäre ich eine von vielen gewesen, aber mit Yoona.ai kann ich das Backend der ganzen Industrie verändern und einen Impact generieren, der exponentiell ist. 

Danke für das Gespräch.

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