Radfahrbekleidung, bürotaugliche,

Bürotaugliche Radfahrkleidung

In der Pandemie haben viele das Fahrrad als Fortbewegungsmittel entdeckt. Wer aber mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, hat meist ein Garderobeproblem – weil Radfahrbekleidung selten dem Dresscode entspricht. Auch wenn die Kleidungsregeln schon aufgeweicht sind, im neongrünen Radtrikot oder im pinkfarbenen Fleecepullover im Büro sitzen – das will man nun doch nicht. Deshalb nehmen sich die einen Umziehsachen mit und die anderen nehmen lieber gleich die öffentlichen Verkehrsmittel. Beides muss aber nicht sein. Denn es gibt sie schon – Radfahrbekleidung, die bürotauglich ist und die Funktion von Sportkleidung hat. Noch nicht an jeder Ecke, aber wer online sucht, wird relativ schnell fündig.   

Zuletzt ist es einfacher geworden, funktionelle Kleidung für den Alltag zu finden, weil Sportmarken ihre Sortimente dahingehend erweitert haben. Damit erschließt sich auch für Radfahrer eine neue Quelle für Kleidung, die Bewegungsfreiheit bietet und Wind- und Wasserabweisend sowie Atmungsaktiv (WWA) ist. Beides ist wichtig, wenn man nicht durchfroren oder von Regen oder Schweiß durchnässt im Büro ankommen will. Ein Blick in die Sortimente kann sich lohnen – aber spezifische Probleme bleiben dabei ungelöst.

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 1/ 2022 (S.50) in Drahtesel. Das österreichische Fahrradmagazin erschienen.

Spezifische Problemlösungen

Entsprechende Kompetenz findet man bei Spezialisten, die die wesentlichen Aspekte von fahrradtauglicher Kleidung berücksichtigen: Sie gewährleisten die Bewegungsfreiheit nicht nur über Materialien mit Elastananteil, sondern auch über Schnitte und Details. Beides trägt dazu bei, die sitzende Position am Fahrrad auszugleichen und Bewegungen nicht zu behindern. So braucht es zum Beispiel bei Jacken mehr Weite im Schulter- und Armbereich, längere Ärmel und ein längeres Rückenteil. Bei Hosen braucht es einen elastischen oder verstellbaren Hosenbund, der hinten etwas höher geschnitten ist. Um ein Reißen der Schrittnaht zu verhindern, braucht es ausreichend Weite im Hüftbereich oder einen Zwickel im Schritt. Sicherheit ist durch Reflektoren gewährleistet, die bei Hosen zum Beispiel im inneren Saum versteckt sind und erst sichtbar werden, wenn man den Hosensaum umschlägt. 

Bürotaugliche Radfahrbekleidung von Sigr (c) Sigr

Baumwolle versus Kunstfaser

Das größte Angebot an Radfahrbekleidung gibt es sicher im Hosenbereich – mit einem Schwerpunkt auf Jeans und Chinos. Die Materialmischungen variieren. Wobei ein hoher Baumwollanteil mit einem angenehmen Tragegefühl verbunden ist. Gleichzeitig hat Baumwolle eine hohe Wasseraufnahmefähigkeit und trocknet langsam. Ein Nachteil, den Hersteller durch Fasermischungen und Beschichtungen aufheben wollen. Das kanadische Label DU/ER entwickelte zum Beispiel funktionelle Jeans mit einem Baumwollanteil von 70 Prozent. Die feuchtigkeitsabsorbierenden Eigenschaften entstehen durch die Beimischung von technischem Polyester, das keine Feuchtigkeit aufnimmt. Der Wind- und Regenschutz ist durch ein Laminat an der Innenseite gewährleistet. 

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Kunstfasern wie zum Beispiel Polyamid/Elastan-Mischungen sind von vornherein wasserabweisend und relativ schnell trocknend. Durch technische Behandlungen können noch weitere Funktionen erzeugt werden. Ein Beispiel ist Softshell, ein Material, das über WWA hinaus auch noch wärmend ist – und über ein breites Temperaturspektrum getragen werden kann. Das liegt daran, dass meist mehrere Materialschichten involviert sind. Vaude hat bei Damenhosen zusätzlich unterschiedliche Materialzonen eingearbeitet. D.h., das Vorderteil der Hose ist winddicht und das Rückenteil ist wärmend sowie klimaregulierend.

Temperaturregulierung

Für Hemden und Blusen gilt Ähnliches – allerdings steht hier die Temperaturregulierung im Vordergrund. Katusha Sports hat eine Fasertechnologie entwickelt, die auf 72 Prozent Baumwolle basiert und eine konstante Körpertemperatur von 37,5 Grad verspricht. Das ist insofern von Vorteil, als die körperliche Energieleistung nicht zur Kühlung benötigt wird, sondern voll in die Aktivität fließen kann.

Bei Jacken geht es zusätzlich um die WWA-Funktionen. Dabei greifen umweltbewusste Hersteller auch wieder auf EtaProof zurück. Das ist ein dicht gewebtes und gewachstes Baumwollgewebe, das schon vor 80 Jahren für Militäruniformen verwendet wurde. Das Prinzip: Die Fasern quellen bei Feuchtigkeit auf, verdichten sich und weisen das Wasser ab. Das deutsche Label Amity näht daraus formelle Sakkos, Blazer und Trenchcoats mit den Eigenschaften von Radfahrbekleidung. Ein Beispiel ist das Shooting-Jacket, das mit einem per Knopf zu schließenden Revers den Fahrtwind abhält. Im oberen Rücken gibt es hingegen zwei per Zipp zu öffnende Bewegungsschlitze, die es ermöglichen, Bewegungsfreiheit und einen guten Sitz zu vereinbaren.

Radfahrbekleidung, bürotaugliche
Amity Radfahrbekleidung (c) Amity

Drei-Lagen-Prinzip

In der kalten Jahreszeit reicht Baumwolle aber nicht mehr aus – um morgens wohltemperiert im Büro anzukommen. Dann braucht es vor allem eine wärmende und temperaturregulierende Basisschicht auf der Haut. Meist ist dies Merinowolle, bei der die Funktionen natürlich gegeben sind. Außerdem braucht es drei Lagen, die zusammenwirken. D.h. die Körperfeuchtigkeit muss durch alle drei Lagen transportiert und an die Umgebung abgegeben werden! Darüberhinaus sollte die zweite Lage bei Radfahrbekleidung vor allem wärmen und das ist bei Fleece oder Softshell der Fall. Die dritte Schicht ist die WWA-Hardshell, die primär schützende Eigenschaften hat. 

In der kühlen Jahreszeit können zwei Lagen reichen, da Softshell wärmende und WWA-Eigenschaften hat und über ein breites Temperaturspektrum funktioniert. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, fertigt Amity das Shooting Jacket auch in Stretchloden und einem softshell-artigen High-Tech-Material.

Darüberhinaus sollte der Regenschutz ein ständiger Begleiter sein – weshalb ein geringes Packvolumen erforderlich ist. Jemand, der sich intensiv mit den Anforderungen an Regenschutz bei Radfahrbekleidung auseinandergesetzt hat, ist die Designerin des italienischen Labels Agogic. Sie entwickelte einen zeitgenössischen Trenchcoat mit einer Wassersäule von 8000 mm und geklebten Nähten, der selbst bei heftigen Niederschlägen trocken hält. Ein weiteres Plus ist die Nachhaltigkeit. Das Modell ist aus recyceltem Meeresplastik und extrem widerstandsfähig und langlebig. 

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Agogic Radfahrbekleidung (c) Agogic

Herstellertipps: 

Einen guten Überblick bietet der deutsche Onlineshop Paul Prediger.

Hosen: Alberto, DU/ER, Outlier, POC, Sigr, Vaude (Damen), Zimtstern;

Hemden: Pure, Katusha Sports, Vaude;

Blusen: Pure, VauDe;

Sakkos, Blazer: Amity;

Merinoteile und Unterwäsche: Icebreaker, Outlier, Super Natural, Dilling;

Trenchcoats/Regenmäntel: Agogic, Amity, Basil;

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