Technologie von Skibekleidung

Wie Technologie von Skibekleidung Komfort und Leistung verbessern kann

Skifahren ist eine erhitzende Aktivität bei tiefen Temperaturen. Diese widersprüchliche Klimasituation stellt hohe Anforderungen an die Technologie von Skibekleidung. Um schweißdurchnässte Kleidung und den in der Ruhephase folgenden Abkühlungseffekt zu verhindern, ist Technologie unumgänglich.

Zentrales Moment in der Technologie von Skibekleidung ist die Bekleidungsphysiologie. Die Produktentwickler haben die Aufgabe ein angenehmes Körperklima in extremen Verhältnissen zu schaffen. Dazu ist die Balance von drei Eigenschaften erforderlich: atmungsaktiv, isolierend sowie wind- und wasserabweisend. Um diese Balance zu erreichen, basiert die Technologie von Skibekleidung auf Drei-Lagen-Systemen: Eine schweißabsorbierende Basisschicht, eine isolierende Zwischenschicht und eine wind- und wasserabweisende sowie atmungsaktive Außenschicht. Letztere läuft unter der Abkürzung WWA.

Technologie von Skibekleidung hat ein Ziel: Den Temperaturausgleich zwischen Phasen körperlicher Anstrengung und Ruhe.

Technologie vs. Nachhaltigkeit

Bis vor wenigen Jahren arbeitete die Skibekleidungsindustrie ausschließlich mit künstlichen Fasern – vor allem Polyester. Das änderte sich erst mit der Wiederentdeckung der natürlichen Eigenschaften von Wolle. Diese ist feuchtigkeitsabsorbierend, thermoregulierend und geruchshemmend. Gleichzeitig wurde der Ruf der Nichtregierungsorganisationen nach umweltfreundlicheren Materialien unüberhörbar. Das führte zur untrennbaren Verbindung von Technologie und Nachhaltigkeit. Bei Aktivitäten in der freien Natur sind Kälte- und Nässeschutz existenziell. Deshalb werden umweltfreundliche Technologien erst dann eingesetzt, wenn diese die volle Leistungsfähigkeit bringen.

Natürliche Funktionen

Für viele Unternehmen ist Merinowolle die erste Wahl, wenn es um die erste Schicht geht, das heißt, Unterwäsche, Socken und Haube. Merinowolle ist doppelt so fein wie herkömmliche Wolle und übertrifft dies in deren Eigenschaften. Merino ist angenehm auf der Haut, leicht, atmungsaktiv und  isolierend. Diese natürlichen Eigenschaften werden durch Materialmischungen und –konstruktionen noch verbessert. Das neuseeländische Unternehmen Mons Royale entwickelte für schweißtreibende Aktivitäten schnelltrocknendes Merino Air-Con, eine Faser aus Merino (83%) Nylon (13%) und Elasthan (4%). In Verbindung mit 40 Prozent Tencel, einer Zellulosefaser, wirkt Merinowolle kühlend bei warmen Temperaturen. Das beste Feuchtigkeitsmanagement wird in der Kombination von Merinowolle und Polyester erreicht.

Eine andere Strategie ein angenehmes Körperklima direkt auf der Haut herzustellen, sind spezifische Materialkonstruktionen. Der Schweizer Hersteller X-Bionic orientiert sich an Vorbildern aus der Natur. Die partielle Isolation Polar Fur stellt eine Art Fell dar. Dieses weist auf der Materialinnenseite eine regional unterschiedliche Dichte auf. Je höher die Dichte, desto größer die Isolationsleistung. Je loser die Konstruktion, desto besser der Abtransport überschüssiger Körpertemperatur.

Wasserdicht und atmungsaktiv

Die zweite Schicht kann eine separate Jacke sein oder das Futter einer Außenjacke – einer sogenannten Hardshell. Letzteres stellt die zweite und  dritte Schicht in einem Kleidungsstück dar. In der zweiten Schicht hat Isolation Priorität. Durch deren hohe Wärmeleistung ist zuletzt die Daune in den Mittelpunkt gerückt. Bei hohem Aktivitätsgrad, wie dies bei Geländetouren der Fall ist, wird diese manipuliert – um den Feuchtigkeitstransport zu gewährleisten. Der kanadische Hersteller Arc’teryx kombiniert für sein als zweite oder dritte Schicht empfohlenes Thorium AR Hoody europäische Gänsedaune mit einem synthetischen Daunenkomposit. Während die natürliche Daune ein gutes Wärme/Gewichts-Verhältnis liefert, kommt das atmungsaktive Komposit an den feuchtigkeitsgefährdeten Stellen zum Einsatz.

Flexible Stoffe

In der dritten Schicht liegt die Priorität auf den Anforderungen winddicht, wasserfest und atmungsaktiv. Den entscheidenden Klimaregulator stellt die Membrane dar, die im Fall einer Hardshell auf den Oberstoff aufgebracht wird. Zuletzt wurde die Silhouette zunehmend körpernah. Die notwendige Bewegungsfreiheit gewährleisten technische Stretchgewebe oder Softshell mit technischem Stretch. Eine zukunftsweisende Alternative dazu ist die gestrickte Außenschicht – wie diese erstmals von Kjus (CH) und Picture Clothing (FRA) realisiert wurde.

Bei Hosen ist die körpernahe Silhouette kaum mit isolierenden Eigenschaften zu vereinbaren. Der Schweizer Hersteller Mountain Force hat den Widerspruch aufgelöst. Die Hose erinnert an die Jethosen der 1970er Jahre. Neu ist die Integration einer atmungsaktiven und wasserdichten Keramikmembrane. Diese wirkt wie ein Schutzschild: Die Wärme wird nach innen reflektiert und die Kälte nach außen. Zusätzliche ist die Hose mit Wolle von Schweizer Schafen isoliert.

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Technologie von Skibekleidung vereinbart Gegensätze. Hier: Wärme ohne dicke Wattierung. Skihose mit Klimamembran (c) Mountain Force

 

Umweltverträgliche Außenschicht

Die dritte Schicht ist ist die größte Herausforderung für ein umweltverträgliches Design: Wind- und Wasserresistenz – bei aufrechter Atmungsaktivität – machen Polyester unumgänglich. Die vorläufig beste Lösung wird in der Verwendung von recyceltem Polyester gesehen. Dadurch müssen zumindest keine neuen Rohstoffe eingesetzt werden.

Sowohl die Membrane als auch die Außenschicht enthalten umweltschädliche Chemikalien. Besonders problematisch ist Polytetrafluorethylen (PTFE), eine Substanz, die wasserabweisend wirkt. Sympatex launchte eine Membrane, die PTFE-frei, recycelbar und Bluesign-zertifiziert ist. Die Membrane besteht aus Polytherester, einem gesundheitlich unbedenklichen Copolymer aus Polyester und Polyether. Das Zertifikat Bluesign steht für eine umweltfreundliche Herstellung.

Elektronische Funktion

Im November 2018 kam Elektronik ins Spiel: Kjus launchte die erste Jacke, die über eine elektro-osmotische Technologie funktioniert. Diese pumpt den Schweiß aktiv ab und bewahrt so vor Auskühlen in der Ruhephase.

Die Technologie ist mit zwei Panels in die Jacke eingearbeitet. Diese sind strategisch in den schweißintensiven Zonen im Rücken der Jacke positioniert. Die Panels bestehen aus einer extrem feinporigen Membrane, die zwischen zwei leitfähigen Stoffschichten liegt. Bei Anwendung eines kleinen elektrischen Impulses verwandeln sich die Poren in Mikropumpen und pumpen den Schweiß rasch ab Körper und aus der Jacke.

Die Jacke basiert auf Wearable-Technologie. Die Funktion beruht auf App und Bluetooth – sowie eine Elektronikbox in der Jackentasche. Das System misst die Schweißmenge, welche die Panels passieren. Dadurch kann die App auch Tipps zur Regulierung der Körpertemperatur bzw. Minimierung der Schweißproduktion geben.

Das sogenannte Kjus 7Sphere Hydro_Bot Jacket wurde in Kooperation mit dem Schweizer Technologie-Unternehmen Osmotex, dem Forschungsinstitut EMPA (The Swiss Federal Laboratories for Materials Science and Technology) und dem Stoffentwickler Schoeller entwickelt.

Auch die Damenskijacke Paradise Heat von Helly Hansen soll den Temperaturwechsel zwischen körperlicher Anstrengung und Ruhephase ausgleichen. Die Funktion basiert auf einem Heizsystem, das per Knopfdruck aktivier- und regulierbar ist. Die Feldtests wurden in Kooperation mit dem schwedischen Damenskiteam durchgeführt. Dieses nutzt das Heizsystem insbesondere in der Abkühlungsphase nach der Abfahrt und im Lift.

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Beheizbares Paradise Heat Jacket von Helly Hansen, Winter 2018/19 (c) Helly Hansen

LED-Dioden

Der Show-Charakter des Skisports kommt in der LED-Jacke von Bogner zum Ausdruck. Die Jacke im Cowgirl-Stil wurde für Filmaufnahmen designt und in Kooperation mit der Schweizer Textilmanufaktur Forster Rohner hergestellt. Die Säume und Fransen der Jacke sind mit insgesamt 300 LED-Dioden besetzt, die im Dunkeln leuchten. Bei Forster Rohner betont man, dass die Jacke wasserfest und waschbar ist. Die Jacke wurde ursprünglich für Filmaufnahmen hergestellt. Aufgrund der positiven Resonanz wurde diese limitiert aufgelegt und ging als solches als Sammlerstück in die Geschichte der Skibekleidung ein.

Foto oben: Skijacke mit LED-Licht (c) Bogner

Autorin: Hildegard Suntinger

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