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Mit Zellulosefasern erdölbasierte Synthetik verbannen

Das Start-up Freyzein möchte erdölbasierte Synthetik aus der Outdoor-Kleidung verbannen – und Zellulosefasern vergleichbare Funktionen verleihen. Denn fast 70 Prozent der Textilien bestehen aus dem umweltschädlichen fossilen Rohstoff – und wenn dieser von Menschen getragen wird, die sich gerne in der freien Natur bewegen, dann sei das ein Widerspruch, so der Gründer Jan Anders Karlsson.

Karlsson ist Serial Entrepreneur. Er wurde schon während dem Studium zum Co-Gründer von Makava, ein Start-up, das ein auf Mate basierendes Eisteegetränk launchte. Die Beschäftigung mit Alternativen zu synthetischen Textilien begann im Jahr 2016 auf einer Skandinavienreise. Damals fiel ihm auf, dass Menschen, die sich gerne in der freien Natur bewegen, meistens Textilien aus erdölbasierter Synthetik tragen. Ein Widerspruch, wie er fand. Karlsson im Interview:

Was motiviert Sie?

Synthetische Fasern haben in den 1950er-Jahren ihren Siegeszug angetreten und erlebten ab den 70er-Jahren enorme Steigerungen. Heute sind 69 Prozent der Kleidung und Textilien aus erdölbasierten Synthetics. Dabei führt Fast Fashion in Verbindung mit nicht recycelbaren Mischfasern und Mikroplastik zu immer größeren ökologischen Problemen. Jährlich gelangt das Äquivalent von 50 Milliarden Plastikflaschen in Form von Mikroplastik in unsere Meere.

Dieses Interview ist am 8. April 2022 auf Innovation Origins erschienen.

Während einige globale Marken sich mittlerweile dazu bekennen, auf reines Polyester zu verzichten, erschöpft sich dieses Bekenntnis in der Verwendung von recyceltem Polyester. Das mag ein Ausweg aus dem aktuellen Dilemma sein, aber keine gesamtheitliche Lösung. Wenn man vom Rohstoff Erdöl spricht und gleichzeitig das Wort Nachhaltigkeit in den Mund nimmt, dann benötigt das schon eine gewisse Phantasie oder eben Marketingkönnen.

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Bedenkt man, dass der Bedarf an technischen Textilien in den vergangenen acht Jahren um knapp 40 Prozent gestiegen ist (Quelle: Fibre Journal), dann muss die Mode- und Textilindustrie ihre Abhängigkeit von erdölbasierten Materialien dringend reduzieren. 

Unsere Mission ist es  erdölbasierte Synthetik zu substitutieren, indem wir natürlichen Fasern bisher unerreichte Eigenschaften geben. Dabei setzen wir auf Bi-Ciruclar™. Dabei möchten wir den technischen und den biologischen Kreislauf kombinieren. Unsere Fasern ermöglichen es, Textilien in geschlossenen Kreisläufen wieder zu Textilien werden zu lassen und end-of-life zu kompostieren, so dass sie neue Nährstoffe für die Erde bilden. Wenn uns das gelingt, dann wäre das meines Erachtens ein Evolutionsschritt (lacht).

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Jan Anders Karlsson (c) Freyzein

Wir entwickeln das erste intrinsisch hydrophobe Zellulosegewebe und schließen sowohl den technologischen als auch biologischen Kreislauf mit unserem Bi-Circular™ Ansatz.

Jan Anders Karlsson

Würden Sie uns das bitte näher erklären?

In unserem ersten Projekt arbeiten wir mit Zellulose, die biologisch abbaubar ist. Aber wir sind mit unserer Technologie rohstoffunabhängig und können – projektspezifisch – die jeweils geeignete Art von Biomasse verwenden. 

Gab es einen Moment in dem Sie aufgeben wollten?

Ein Start-Up in der COVID-19 Pandemie zu gründen, erschwert Angelegenheiten wie Team Building. Auf der anderen Seite ermöglicht es den Beteiligten konzentriert an Lösungen zu arbeiten. 

Statt aufzugeben machen wir lieber Pausen. Das hat bisher immer geholfen.

Was waren die bisher schönsten Momente?

Faszinierend ist die Mission per se – als Team an einer Passion arbeiten zu können, die gesellschaftliche Relevanz hat. Der Zusammenhalt des Teams und die Arbeit an der wichtigen Aufgabenstellung machen mich gleichermaßen stolz.

Wie gestaltet sich die Finanzierung?

Wir sind selektiv was die Auswahl der Investoren betrifft und suchen eine Kombination aus Smart Money & Impact Investoren. Das sind im Idealfall Personen, die selbst in dem Sektor tätig sind und über ein entsprechendes Netzwerk verfügen. In Östereich ist es schwierig Finanziers zu finden, die zu uns passen. Es gibt hier kaum Textilindustrie und auch wenig Wissen darüber.

Derzeit arbeiten wir an einer Bewerbung für Horizon Europe und dem European Innovation Council.

Könnten Sie sich einen besseren Standort für Ihr Start-up vorstellen?

Die Bedingungen könnten besser sein. In anderen europäischen Ländern oder in den USA besteht mehr Risikobereitschaft. Die Förderlandschaft in Österreich leistet dennoch beachtliches. Geld ist verfügbar. Aber der Staat allein kann das nicht stemmen. Es bräuchte Hife von Privatinvestoren.

Wir sind mit unserem Ansatz einmalig. Aber die wenigen Start-ups, die in ähnlichen Bereich tätig sind, bekommen Investitionen in mehrfacher Millionenhöhe. 

Wo möchten Sie mit Ihrem Unternehmen in fünf Jahren sein – was ist Ihr höchstes Ziel?

Wir werden unser Outerwear Label Freyzein erfolgreich etabliert haben. Außerdem werden wir mit unseren innovativen technischen Textilien im b2b auch in anderen Segmenten als der Mode die Brücke bauen, die es braucht, um auf Synthetik verzichten zu können. Stichwort: Lizenzen.

Was macht Ihre Innovation besser/anders als existierende Dinge?

Wir substituieren petroleumbasierte Synthetik. Mit Circular Design und unserer Technologie geben wir natürlichen Textilien bisher unerreichte Eigenschaften in bezug auf die Leistungsfähigkeit. Dabei nutzen wir Sekundärrohstoffe und reduzieren den Einsatz an primären Materialien, toxischen Chemikalien und Wasser. Wir sprechen von bizirkulär, weil unsere Produkte einen geschlossenen Kreislauf erreichen und am Ende kompostierbar sind. Es geht eben auch ohne Müll und Mikroplastik. 

Danke für das Gespräch!

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