Polyester in Kleidung bleibt ein Umweltproblem

Polyester: Recycling löst nur ein Teil des Problems

 

Der Einsatz von Polyester in der Textilindustrie ist von 2000 bis 2016 von 8,3 Mio. Tonnen auf 21,3 Mio. Tonnen gestiegen. Das entspricht einer Steigerung von 157 Prozent (Textile World, 2015). Die Kleidungs-Industrie schätzt den Rohstoff, weil dieser strapazierfähig und günstig ist. Umweltorganisationen sehen darin ein Umweltproblem. Daran ändere auch der Trend zu Recycling wenig.

Greenpeace führt die steigenden Mengen an Polyester auf den Aufstieg der Fast-Fashion zurück. Fast-Fashion ist auf zehn Trageeinheiten konzipiert. Die Kleidung gelangt also nach kurzer Zeit auf dem Müll (Greenpeace, 2017).

Aber auch Sportbekleidung besteht zu großen Teilen aus Polyester. In einer Industrie, die Widerstandsfähigkeit und Wetterschutz verspricht, ist dies teilweise dem Funktionsgedanken geschuldet – aber nicht nur. Zuletzt zeigten die natürlichen Funktionen von Merinowolle, dass Polyester punktuell ersetzbar ist.

Das steigende Umweltbewusstsein in der Bevölkerung lässt die Industrie zunehmend zu recyceltem Polyester greifen. Allerdings handelt es sich dabei vorwiegend um recycelte Plastikflaschen (PET). Der Grund dafür liegt in der Sortenreinheit von PET-Flaschen.

Recycling von Polyesterkleidung ist unrentabel

Kleidung aus Polyester wird kaum recycelt und endet meist auf der Mülldeponie oder in der Müllverbrennung. Selbst wenn Kleidung in die Altkleidersammlung gelangt, ist ein Recycling in neue Kleidung eher unwahrscheinlich. Die eingesetzten Fasern sind oft nicht zu identifizieren. Fasermischungen, die Kombination verschiedener Stoffe und Zutaten wie Knöpfe, Reißverschlüsse etc. verhindern ein rentables Trennen (Petersen, 2015; Gould, 215). Weshalb ein Großteil der Stoffe geschreddert und zu Putzlappen oder Isolier- und Füllstoffen verarbeitet wird.

Hohe CO2-Emissionen in der Produktion von Polyester

Umweltschutzorganisationen sehen den Trend zu recyceltem Polyester positiv, weil so die Menge an Plastik in der Umwelt und vor allem in den Ozeanen reduziert werden kann. Das ändert aber nichts daran, dass Bekleidung aus Polyester ein Umweltproblem darstellt. Die CO2-Emissionen in der Produktion von Polyester sind dreimal so hoch wie bei Baumwolle. (Kirchain, Olivetti, Miller, Greene (2015).

Mikroplastikverschmutzung durch Waschen von Polyester

Bei der Maschinenwäsche bzw. durch Abrieb lösen sich kleinste Kunstfaser-Bruchstücke aus dem Kleidungsstück und gelangen über das Abwasser und Flüsse in die Ozeane (Greenpeace, 2016; Napper & Thompson, 2016). Diese sogenannte Mikroplastikverschmutzung schädigt das Ökosystem und gelangt über Meereslebewesen in die Nahrungsmittelkette.

Zur Entschärfung der Mikroplastikverschmutzung entwickelte die Berliner Organisation Stop Micro Waste einen Waschbeutel, der den Abrieb weitgehend reduziert bzw. im Waschbeutel sammelt und über den Restmüll entsorgbar macht. Der Waschbeutel ist unter der Bezeichnung Guppyfriend erhältlich. Lt. Erfinder könne es sich dabei aber nur um eine Übergangslösung handeln. Die Organisation fordert auf ihrer Website neue Materialien und filterfähige Waschmaschinen.

Greepeace fordert: Verlängerung der Lebensdauer von Kleidung

Greenpeace fordert von der Industrie ein langsameres Innovationstempo und langlebigere Kleidung. Diese soll reparierbar und am Ende vollständig kreislauffähig sein. Der wichtigste Beitrag, den Konsumenten leisten können, ist die Verlängerung der Lebensdauer von Kleidung. Sei es, dass sie diese selbst tragen oder an Freunde weitergeben. Allein die Verlängerung der Lebensdauer von einem auf zwei Jahre würde die CO2-Emissionen um 24% reduzieren (Quelle: Carbon Trust, 2011).

Bibliographie (Greenpeace):

Textile World (2015): Man-Made Fibers Continue to Grow.

Kirchain, R./Olivetti, E./ Miller, T.R./Greene, S. (2015): Sustainable Apparel Materials. An Overview of what we know and what could be done about the impact of four major apparel materials: Cotton, Polyester, Leather & Rubber. Materials Systems Laboratory, Massachusetts Institute of Technology, Cambridge, MA.

Napper, I./Thompson, R. (2016): Effects of fabric type and washing conditions, Marine Pollution Bulletin, Vol. 112, Nov. 2016, P. 39-45

Greenpeace Report (2016): Plastik in Fisch und Meeresfrüchten

Petersen, Ann (2015): Towards Recycling of Textile Fibers. Chalmers University, Gothenburg.

Gould, Hannah (2015): Waste is so last season: recycling clothes in the fashion industry. In: The Guardian.

Alle Quellen aus:
Greenpeace (2017): Konsumkollaps durch Fast-Fashion

3 Kommentare zu „Polyester in Kleidung bleibt ein Umweltproblem“

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