Von der Kunst, Textil hörbar und Sound greifbar zu machen

Textilien erzeugen nicht nur visuelle Reize, sondern auch akustische. Fahnen knattern im Wind und Vorhänge aus einem bestimmten Typ von Seide knistern und rascheln bei jedem Luftzug. Wie diese Eigenschaft die Wahrnehmung von Textilien erweitern und zur ästhetischen Ausdrucksform werden kann, untersuchten Künstler im PEEK Spitzenforschungsprogramm des Wissenschaftsfonds, einem Programm zur Entwicklung und Erschließung der Künste.

Textilien sind unsere zweite und dritte Haut: Kleider schützen unsere Körper und und Vorhänge und Teppiche schaffen eine angenehme Raumatmosphäre. Geräusche wie jene einer Laufjacke, empfinden wir meist als störend, schätzen aber die schalldämpfende Eigenschaft von Teppichen und Vorhängen. Einstellungen, mit denen man im künstlerischen Forschungsprojekt Nexus of Textile and Sound bewusst bricht, um neue künstlerische Ausdrucksformen zu erkunden. „Wir wollten die beiden Disziplinen verknüpfen, ohne sie jeweils nur mit den Augen oder Ohren wahrzunehmen“, erklärt Projektleiterin Gertrud Fischbacher, die am Institut für „Open Arts“ an der Universität Mozarteum unterrichtet. 

"LOOP ca. 80 x 80 x 80 cm, Interaktives Sound-Objekt
Fischbacher | Schebella ©2022 © Foto: Rudolf Strobl
LOOP ca. 80 x 80 x 80 cm, Interaktives Sound-Objekt
Fischbacher | Schebella ©2022 © Foto: Rudolf Strobl

Die Idee entstand am Rand eines Künstlersymposiums, bei dem sie mit ihrem Kollegen Marius Schebella von der FH Salzburg über Möglichkeiten interdisziplinärer Zusammenarbeit nachdachte. Schebella unterrichtet am Department Creative Technologies Multimedia und sie stießen rasch auf das Thema Smart Textiles – also Textilien mit integrierter Technologie – das sich zunächst allerdings als Sackgasse erwies. Deshalb nahmen sie sich ein ganzes Semester lang Zeit, um gemeinsam mit ihren Studierenden eine interaktive textile Sound- und Rauminstallation zu erstellen.

Textile Eigenschaften neu erleben

Motiviert vom künstlerischen Potenzial, begannen sie Forschungsfragen zu formulieren und erhielten nach zwei Jahren Konzeptarbeit eine Förderung des Wissenschaftsfonds (FWF). Sie luden Forschende verschiedener Disziplinen zum Symposium, erforschten gemeinsam die Begriffe „Nexus“, „Sound“ und „Textil“ und loteten Möglichkeiten ihrer Verbindung aus. „Die Antworten waren subjektiv – aber auch das ist interessant. Textil nur als Material oder Technik zu sehen, würde dem Medium nicht gerecht werden. Es hat Textur, ist verformbar und springt wieder in seine Ursprungsform zurück. In Verbindung mit Bewegung zeigt es auch seine klangliche Qualität. Streift man über eine gegerbte Fischhaut, dann offenbart sich mit dem Klang der rauen Oberfläche auch eine neue sinnliche Dimension“, so Fischbacher.

Textil nur als Material oder Technik zu sehen, würde dem Medium nicht gerecht werden. Es hat Textur, ist verformbar und springt wieder in seine Ursprungsform zurück. In Verbindung mit Bewegung zeigt es auch seine klangliche Qualität. Streift man über eine gegerbte Fischhaut, dann offenbart sich mit dem Klang der rauen Oberfläche auch eine neue sinnliche Dimension.

Um den Klang der Textilien hörbar zu machen, fertigten die Forschenden Tonaufnahmen an. Teilweise verstärkten oder bearbeiteten sie die Aufnahmen nachträglich, um dem Charakteristischen noch näher zu kommen. Die Objekte, die entstanden, konnten aber nicht nur gesehen und gehört werden. Ein Beispiel ist der Loop – ein Knäuel aus biegsamem aber sperrigem Polyesterstreifen – der im Galerieraum von der Decke herabhing und hin- und herbewegt, geschubst, aufgefangen und umarmt werden durfte. Multimedia Experte Schebella hatte ein Kontaktmikrophon integriert, um die saitenartige Klangqualität der Polyesterstreifen aufzunehmen und verstärkt wiederzugeben. Das Ergebnis war ein donnerartiges Grollen.

Dialog mit dem Vorhang

Die Annäherung an die einzelnen Objekte erfolgte jeweils mit einem verbindenden Element. Im Thema Loop war das die Wiederholung, wie etwa der Refrain im Sound oder das Muster im Textil. Beim Objekt Walk On By war das verbindende Element die Membran – auf textiler Ebene symbolisiert von einem Vorhang und auf Soundebene unter anderem vom Ohr, das eine membranartige Wahrnehmung von Akustik hat. Der Vorhang war leicht und aus einem stark raschelnden Gewebe, bewegte sich also geräuschvoll bei jedem Lufthauch. Dieses Geräusch wurde verstärkt und mit einem Tracking System verbunden, so dass es auch mit jedem Schritt sich annähernder Besucher ertönte.

Walk On By brachte dem Forscherduo 2024 ein Stipendium für Skulptur, Plastik und Objekt vom Land Salzburg. Noch bis 2027 im Durchgang zum Georg-Trakl-Haus zu sehen, stellt es auch einen Bezug zum Dichter her, der in seinen Gedichten den enthüllenden oder verhüllenden Vorhang als Metapher einsetzte. 

Ein Video zur Installation im Georg-Trakl-Haus finden Sie unter diesem Link: https://on.salzburg.gv.at/iframe/cme9rhd67005ml4n9poa59s91

Hildegard Suntinger

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